Hauptburg

Abb. 1: Burg Blankenberg über dem Siegtal, unten die Ortschaft Stein, oben rechts Stadt Blankenberg. © Roland Steinwarz
Abb. 1: Burg Blankenberg über dem Siegtal, unten die Ortschaft Stein, oben rechts Stadt Blankenberg. © Roland Steinwarz

Lage

Die Hauptburg hat eine Länge von 135 m und ist an ihrer breitesten Stelle 47 m breit. Sie befindet sich ganz an der nordwestlichen Spitze des Felssporns. Auf der Nordseite fallen die Hänge steil zur Sieg hin ab, im Süden verläuft das Ahrenbachtal, dass sich hier verbreitert, westlich um den Berg herum verläuft und den Bach in die Sieg entlässt. Der Bergsporn ist somit auf drei Seiten durch steile Hänge geschützt. Auf der vierten Seite wird die Hauptburg durch die Vorburg geschützt.

Obwohl die Burg nur 80 m über dem Talgrund liegt und über die Wege zur Stadt somit relativ gut erreichbar war, gab es keine Möglichkeit, die Burg von einer höheren Position aus unter Beschuss zu nehmen. Am häufigsten kam bei Belagerungen im Hochmittelalter die Blide zum Einsatz, mit ihr konnten zentnerschwere Geschosse bis zu 400 m weit geworfen werden. Dazu war es jedoch nötig, das Gerät mindestens auf ähnlicher Höhe wie das Ziel zu errichten. Das breite Siegtal bot keine Gelegenheit dazu, und die nächstgelegene Stelle wäre die Höhe von Adscheid im Süden, doch sind es hier bereits über 400 m. Ein Beschuss von der Bergseite wäre natürlich noch möglich gewesen, sofern die Angreifer zuvor die beiden Stadtteile erobert hätten. Darin begründet sich möglicherweise die Form der Schildmauer.

Erst mit der Einführung großer Pulverwaffen kam der Beschuss von der Adscheider Seite her in Betracht, was wahrscheinlich den Bau des St. Georg-Turms im 15. Jahrhundert als Geschützturm auf der dorthin gewandten Südseite sinnvoll erscheinen ließ.

Abb. 2-3: Das Foto links zeigt die Hauptburg in ihrem heutigen Zustand. Die Zeichnung rechts entstand auf der Grundlage des Fotos, des Grundrisses und dem Vergleich mit anderen Burganlagen. Zu sehen ist die Hauptburg aus südwestlicher Richtung. Die Zeichnung entstand im September 2021, sie war und ist zunächst nur als Skizze gedacht. Zwar habe ich dafür alle mir zu diesem Zeitpunkt bekannten Erkenntnisse einfließen lassen, doch ist sehr vieles unbekannt. Es handelt sich daher um eine Mischung aus Fakten und Fantasie. Sie kommt der historischen Wirklichkeit jedoch näher als viele andere Abbildungen. Die Zeichnung soll einen ersten Eindruck von der einstigen Burganlage bieten. Sobald ich neue Details erfahre, werde ich ein neues, genaueres Bild erstellen. © Roland Steinwarz

Abb. 4: Grundriss der Hauptburg. Schwarz stellt vorhandenes Mauerwerk dar, grau Räume in diesem. Gestrichelte Linien geben den vermuteten Verlauf der Mauern wieder. © Roland Steinwarz
Abb. 4: Grundriss der Hauptburg. Schwarz stellt vorhandenes Mauerwerk dar, grau Räume in diesem. Gestrichelte Linien geben den vermuteten Verlauf der Mauern wieder. © Roland Steinwarz

Ringmauer

Die Ringmauer verläuft rund um den Burgplatz und dient an der Süd- und Westseite gleichzeitig als Futtermauer. Ihre Höhe und Stärke variiert. Lässt man die Schildmauer im Osten zunächst außer Acht, hat sie auf der Südseite eine Dicke von 2,2 m und ist heute 11,5 m hoch. Hier, zwischen Kapelle und St. Georgs Turm, war der Palas an die Ringmauer angebaut, die somit dessen Außenwand bildete. Die mutmaßlich unbebaute, tiefer liegende sogenannte Bastionsfläche am westlichen Ende ist ebenfalls von einer kleineren Mauer umgeben. Der nördliche Teil der Ringmauer ist kaum noch erhalten, er verlief direkt am Rabenturm vorbei. An einer Stelle ist heute noch ein etwa 2 m hoher Mauerrest erhalten, der ein kleines Fenster enthält. Dieses wird oft fälschlich als Schießscharte bezeichnet, ist für diesen Zweck aber völlig ungeeignet. Zumal aufgrund des steilen, teilweise fast senkrechten Geländes kein Angreifer die Burg von diesen Seiten angreifen konnte. Daher besaß die Ringmauer vermutlich nur Fensteröffnungen für die angebauten Gebäude. Auf der Mauerkrone verlief wahrscheinlich ein überdachter Wehrgang, zumindest an strategisch wichtigen Abschnitten.

Schildmauer

Abb. 5: Schildmauer heute. © Roland Steinwarz
Abb. 5: Schildmauer heute. © Roland Steinwarz

Die südöstliche Seite der Burg wird von einer über 60 m langen Schildmauer flankiert, die mit mehreren Knicken ungefähr eine 90°-Kurve beschreibt. Sie besitzt noch eine Höhe von bis zu 17 m, dürfte früher jedoch etwas höher gewesen sein; auf ihrer Krone verlief zudem vielleicht ein hölzerner überdachter Wehrgang. Ihr Durchmesser beträgt zwischen 4,5 und 5,50 m. Sie wurde unterbrochen durch das Torhaus, von dem leider nicht mehr viel erhalten ist. Der Mauerabschnitt links des Tores ist noch recht gut erhalten, die rechte Seite nur noch als überwiegende Rekonstruktion mit ca. 2,50 m Höhe. Eine derart mächtige Schildmauer war Ende des 12. Jahrhunderts zwar keine Neuerung, aber dennoch eine außergewöhnliche Dimension ⁽¹⁾.

Die Schildmauer weißt heute noch sechs Nischen auf. Drei davon sind heute als Räume über das angebaute Burgwärterhaus zugänglich und dienten einst sehr wahrscheinlich als Schießkammern. Vier weitere Öffnungen waren einst Teil der an die Schildmauer angebauten Kapelle an der Südseite, sie dienten als kleine Räume und Fenster der Kapelle, deren Räume so auch von dieser Seite auf beiden Ebenen Licht bekamen.

Am nördlichen Ende setzte die Ringmauer im rechten Winkel an die Schildmauer an. Das andere Ende war dort, wo die Westwand der Kapelle ansetzte. Hier setzte außen bündig die mit 2,2 m deutlich dünnere Ringmauer an, an die wiederum der Palas angebaut war.

Die meisten künstlerischen Darstellungen der Burg stellen die Schildmauer leider nicht in ihrer eigentlichen Form und Größe dar (vgl. Abb. 6 und 10).

Halsgraben

Vor der Schildmauer befand sich zwischen Haupt- und Vorburg ein bis zu 9 m tiefer ⁽²⁾ und fast 30 m breiter Halsgraben mit einer Länge von etwas über 30 m. Er wurde einst von einer steinernen Brücke überspannt, die die Vorburg mit der Hauptburg verband. Die Brücke endete direkt vor dem Torhaus. Heute ist der Graben zu großen Teilen zugeschüttet, statt der Brücke führt ein befestigter Weg an der Vorburg vorbei und über die Aufschüttung zur Hauptburg.

Brücke

Von der Brücke sind nur noch Teile der Endstücke und Pfeiler vorhanden. Es handelte sich möglicherweise um eine vollständig gemauerte Rundbogenbrücke. Sie überspannte den Halsgraben und verband so die Vorburg mit der Hauptburg. Sie bildete den einzigen Zugang, der von einem Torhaus in der Schildmauer der Hauptburg geschützt wurde. Die Brücke hatte eine Breite von 3-4 m und war dem Halsgraben entsprechend 30 m lang und 9 m hoch.

Abb. 6: Burg Blankenberg in einer Deckenmalerei im Turmmuseum
Abb. 6: Burg Blankenberg in einer Deckenmalerei im Turmmuseum

Torhaus

Vom Torhaus sind noch die unteren 2 m der Mauern erhalten, wobei auch hier große Teile des Mauerwerks neu sind. Sie stehen etwas aus der Schildmauer hervor und schlossen so direkt an die Brücke an. Auffällig sind die jeweils im unteren Teil noch erhaltenen großen Sandsteinquader, aus denen die Torbögen bestanden. Leider gibt es keine Hinweise auf die oberen Teile des Torhauses, sodass über die Ausstattung nur wenig gesagt werden kann. Zumindest lassen die Löcher für die Torangeln auf ein äußeres und inneres, jeweils zweiflügeliges Tor schließen.

Wirtschaftsgebäude, Saal und Küche

Direkt rechts des Torhauses befand sich in der Ecke zwischen Schild- und nördlicher Ringmauer ein großes Wirtschaftsgebäude, von dem noch Teile der Mauern erhalten geblieben sind. Der heute ebenerdige Bereich war einst ein Keller, was am niedrigen Türbogen und den nach unten abgewinkelten Fenstern zu erkennen ist. Hier wohnte und lebte die niedere Burgmannschaft. Es gab eine eigene Küche und einen Versammlungsraum.

Rabenturm (Bergfried)

Abb. 7: Der Rabenturm, Bergfried der Hauptburg. © Roland Steinwarz
Abb. 7: Der Rabenturm, Bergfried der Hauptburg. © Roland Steinwarz

Der Rabenturm steht unweit des Tors auf einem Felshügel, der die höchste Stelle des Burggeländes bildet. Die Höhe des Rabenturms beträgt heute 21 m, der Zugang befindet sich knapp 8 m über dem Boden. Drei Balkenlöcher im äußeren Mauerwerk trugen einst eine Plattform, die den Zugang über eine Treppe oder Leiter ermöglichte. Das Bauwerk wurde in einer späteren Bauphase aufgestockt, in der Außenmauer lassen sich bei genauerem Blick anhand der Stoßfugen ehemalige Zinnen erkennen. Im Mauerwerk sind zahlreiche Löcher vorhanden, die durch die gesamte Dicke verlaufen. Diese waren nicht zur Beleuchtung oder Belüftung des Turminneren gedacht, sondern in diesen waren (mittlerweile verrottete) Rundhölzer eingemauert, die während des Baus das Baugerüst trugen. Hinterher wurden sie bündig abgesägt. Die Stämme verblieben danach im Mauerwerk und dienten als Verstärkung desselben. Diese übliche Vorgehensweise zeigt sich bei vielen Burgen.

Der Rabenturm war ein sogenannter Bergfried und sollte im Falle einer Belagerung die letzte Zuflucht für die Bewohner bilden. Der erhöhte Eingang ließ sich leicht verteidigen und war mit schwerem Gerät nicht zu erreichen. Entgegen der landläufigen Meinung war dies jedoch meist nicht der Hauptzweck eines Bergfrieds. Es sind nur wenige Fälle überliefert, in denen sich die Verteidiger tatsächlich dort verbarrikadierten. Doch allein die Tatsache, dass diese dort wochenlang ausharren konnten, gab den Angreifern vermutlich ausreichend Grund, die Sache diplomatisch zu lösen, was bei den meisten Belagerungen auch geschah. Ein Bergfried hatte also meist überwiegend Symbolcharakter. Als höchstes Bauwerk repräsentierte er Macht und Reichtum des Erbauers. Im Übrigen hat die Bezeichnung "Bergfried" nichts mit "den Frieden bergen" zu tun, zumal sich der Name erst im 18. Jahrhundert für die Benennung dieses Turms durchsetzte. Davor war zumeist einfach von "Turm" oder "großer Turm" die Rede ⁽¹⁾.

Der Rabenturm besitzt kein Dach mehr, sodass die einstige Höhe nur geschätzt werden kann. Leider ist von den hölzernen Bauteilen nichts mehr erhalten. Bei einer üblichen Bauweise ergibt sich jedoch eine Höhe der Dachkonstruktion von 10 m. Somit besaß der Rabenturm eine Gesamthöhe von über 30 m.

Aus eher jüngerer Zeit stammt ein auf Bodenhöhe in die Mauer gebrochener Zugang zum unteren Teil des Turms, der jedoch nicht für Besucher freigegeben ist.

Noch heute lebt im und am Turm eine Dohlen-Kolonie. Diese gerne an Gebäuden brütenden Vögel gaben dem Rabenturm vermutlich seinen Namen, denn oft wurden (und werden) auch Dohlen oder Krähen als Raben bezeichnet, mit denen sie verwandt sind. Leider gerät der Name des "Rabenturms" zunehmend in Vergessenheit, weil stattdessen meist nur vom "Bergfried" die Rede ist.

Palas

Abb. 8: Ausschnitt des Fundationsbildes von 1621 in Bödingen mit einer der ältesten Abbildungen Blankenbergs.
Abb. 8: Ausschnitt des Fundationsbildes von 1621 in Bödingen mit einer der ältesten Abbildungen Blankenbergs.

Obwohl der Palas einst das Hauptgebäude der Burg war und ihm daher gewiss auch die größte Repräsentationsfunktion zukam, zeugen heute nur noch wenige Mauerreste von ihm. Er lag zwischen Kapelle und (dem erst später gebauten) St. Georgs-Turm an der Südmauer der Hauptburg.

Größe und Aussehen des Palas lassen sich heute leider nur noch abschätzen. Oberirdisch sind nur Spuren in der Ringmauer, die wie oben bereits erwähnt die südliche Außenwand bildete, und spärliche Mauerreste der nördlichen Außenwand, die größtenteils nur noch als Böschung existiert. Damit lässt sich zumindest die Grundfläche auf ungefähr 18 zu 30 m begrenzen, also ganze 540 m². Das untere Geschoss liegt vollständig unter Schutt und Erde begraben, die Fläche ist heute eine Blumenwiese. Heute verläuft der Weg über das Burggelände fast auf der Oberkante des zweiten Geschosses. Es ist aber davon auszugehen, dass nur das untere burgseitig ein Keller war und das zweite ebenerdig lag. Ob es noch ein drittes unterhalb des Daches gab, lässt sich anhand der Mauern nicht mehr sagen, würde aber nicht weiter verwundern, da es so eher der Saynschen Grafenfamilie gerecht geworden wäre und zudem den deutlich höheren Anschluss der Schildmauer erklären könnte. Ebenso wenig wie beim Rest des Palas gibt es Hinweise zum Aussehen von dessen Dach. Die in vielen Darstellungen zu sehenden Ecktürmchen (vgl. Abb. 6) kamen erst im romantisierenden Schlossbau des 18. und 19. Jahrhunderts auf und entsprechen damit wohl nicht der Realität. Das 1621 entstandene Fundationsbild (Abb. 8) in Bödingen zeigt eine der ältesten Abbildungen der Burg Blankenberg, es entstand nach einer älteren Vorlage. Es ist keine originalgetreue Abbildung, stellt jedoch wichtige Details dar, unter anderem den Palas (2. Gebäude von rechts).

Kapelle

Abb. 9: Rekonstruktion der Kapellengrundrisse nach einer archäologischen Untersuchung.
Abb. 9: Rekonstruktion der Kapellengrundrisse nach einer archäologischen Untersuchung.

Von der Kapelle sind nur noch die Grundmauern sowie Spuren an der Schildmauer erhalten, welche die südliche Außenwand der Kapelle bildete. Ihre Form bestand vermutlich aus einem unregelmäßigen Achteck (Abb. 9). Es handelte sich um eine Doppelkapelle mit zwei Ebenen. Sie war der heiligen Katharina geweiht, besaß jedoch zumindest einen dem heiligen Georg geweihten Altar. Die könnte vielleicht darauf zurückzuführen sein, dass Heinrich II. ab 1189 gemeinsam mit Kaiser Friedrich Barbarossa, Kaiser Heinrich VI. und sogar Richard Löwenherz am Kreuzzug nach Jerusalem teilnahm ⁽³⁾, bei welchem die Verehrung St. Georgs eine wichtige Rolle spielte. Auch die achteckige Kapellenform entstand damals vielerorts in Anlehnung an die Grabeskirche in Jerusalem.

An der Schildmauer ist noch die eckige Innenform zu erkennen. In der Mauer treten zudem die Reste des Bogengewölbes des Untergeschosses zutage, welches offenbar aus Weiberner Tuff ⁽⁴⁾ gemauert war. Der untere Raum besaß ein nach Süden gerichtetes Fenster in der Schildmauer, der obere ein gleiches nach Südosten. Auf Höhe des einstigen Bodens des zweiten Stocks sind noch Plinthe und Basis einer der Säulen erhalten, die die inneren Ecken der Kapelle zierten. Ein erhaltenes Säulenkapitell ist im Turmmuseum im Katharinenturm ausgestellt.

An der Ostseite befindet sich eine bogenförmige Mauer, die heute das Burgwärterhaus vom Fachwerkanbau trennt. Dies ist ein Rest des Chores, möglicherweise auch eines kleinen Rundturms der Kapelle.

Ebenfalls im Turmmuseum ausgestellt ist ein Taufbecken, das angeblich zur Burgkapelle gehörte.

Es ist nicht unbedingt üblich gewesen, für die Burgkapelle ein eigenes Bauwerk zu errichten, schon allein deswegen, weil auf Verteidigung konzipierte Burgen oft keinen Platz dafür boten. So gab es oft nur einen Raum innerhalb eines Turms oder anderen Gebäudes, der bei Bedarf als Kapelle diente. Als Haupt- und Verwaltungssitz der Grafen von Sayn durfte auf Burg Blankenberg eine eigene Kapelle, noch dazu eine recht große Doppelkapelle, jedoch wohl nicht fehlen.

Großer Saal, Kanzlei, Amtshaus

Der Saalbau und die Kanzlei befanden sich westlich des Rabenturms, angebaut an die Ringmauer. Es sind nur spärliche Reste der Grundmauern sowie ein kleines Fenster in der nördlichen Ringmauer erhalten. Das Gebäude war Sitz des Landdingers, des Rentmeisters und der Saynschen Verwaltung. Der Saal diente für Versammlungen, das Gericht wurde hier abgehalten und auch Abgaben sowie andere Geschäfte wurden hier getätigt.

Saynische Küche

Im Mittelalter war es nicht üblich, die Küche im Wohnbau der Herrscherfamilie unterzubringen. Stattdessen gab es für sie ein separates Gebäude. Es befand sich dort, wo heute der Aussichtsplatz mit dem Modell ist, neben dem Großen Saal und vom Palas durch den Innenhof getrennt.

Brau- und Backhaus

Die Burg hatte ihre eigene Versorgung mit Bier und Brot. Dass Brauerei und Bäckerei mit eigenem Gebäude auf der Hauptburg Platz fanden, war ein besonderer Luxus, denn die wenigsten Burgen boten dafür ausreichend Raum.

Schmiede, Zisterne

Auch eine Schmiede durfte natürlich nicht fehlen. In der Regel befand sich diese außerhalb der Burg, im Ort oder in der Vorburg. Doch in Blankenberg maß man ihr offenbar einen besonderen Wert bei und sie fand ihren Platz direkt neben dem Palas. Im Belagerungsfall konnte dies natürlich einen Vorteil darstellen, weil so der Nachschub an funktionierenden Waffen und Werkzeugen sichergestellt war.

Unter der Schmiede befand sich wohl eine Zisterne, in der Regenwasser gesammelt wurde.

St. Georgs-Turm

Dieser Turm wurde erst im 15. Jahrhundert unter den Herzögen von Berg erbaut. Er diente als Geschützturm, vermutlich, weil mit der Verbreitung der Pulverwaffen ein Beschuss der Burg vom Adscheider Höhenrücken her möglich wurde. Das verschiedene Alter ist auch an der Mauertechnik erkennbar, bei der zwar das gleiche Material zum Einsatz kam wie beim Rest der Burg, jedoch nicht auf horizontale Lagerfugen geachtet wurde. Stattdessen wurden die Steine so vermauert, wie sie gerade kamen und passten.

Sein Name geht wohlmöglich auf die Burgkapelle zurück.

Der Turm hat auf der Talseite eine Höhe von 22 m und ist auf der Innenseite der Burg 10 m hoch. Der Außendurchmesser beträgt etwa 15 m.

Ganz unten besitzt der Turm einen Kellerraum, der vor allem als Pulverlager genutzt wurde. Aber auch eine (zeitweise) Nutzung als Verließ kommt durchaus in Frage.

Über dem Keller befand sich das erste Stockwerk mit vier großen Kammern innerhalb der Mauerstärke sowie einem kleineren Raum. Während erstere große Öffnungen nach außen aufweisen, ist letztere für eine Schießscharte bestimmt, die in Richtung Bastionsfläche mündet. Die Kammern gehen von einem runden Innenraum aus.

Dieser war nur über eine Treppe erreichbar, die unterhalb einer Falltür (heute aus Stahlgitter) am Zugang des Turms erreichbar war. Letzterer liegt 4 m über dem Burggrund und war somit ebenfalls nur über eine Treppe erreichbar. Geht man über die Falltür hinweg, zweigt rechts eine enge Treppe in der Mauerstärke nach oben ab, die zu einem weiteren Gang führt. Hält man sich links, gelangt man über einige Stufen nach unten zum zweiten Stockwerk, in dem sich um einen innen zum ersten Stock hin offenen Rundgang drei weitere Räume angeordnet finden. Das Stockwerk betritt man durch einen dieser Räume, der über ein Fenster Ausblick über die Bastionsfläche und das Siegtal bietet. Hervorzuheben sind die im schrägen Winkel aufwärts nach Außen verlaufenden Lüftungsschächte, die für den Pulverdampf bestimmt waren.

Hält man sich am Ende der engen Treppe dagegen rechts, gelangt man über eine weitere Treppe nach oben auf das Dach. Die Treppe befand sich ursprünglich wahrscheinlich innerhalb der Mauer; heute fehlt die Außenseite, sodass die Treppe im Freien liegt. Von unten ist erkennbar, dass das Dach einst auch ein rundes Loch in der Mitte aufwies. Nur so konnte der Pulverdampf von den beiden darunter befindlichen Etagen nach oben abziehen. Es ist anzunehmen, dass auch hier Geschütze standen, und somit auch, dass der Turm ursprünglich keinen weiteren Dachaufbau besaß. So wird er 1621 im Fundationsbild (Abb. 8) auch dargestellt. 1644 erhielt er jedoch anscheinend ein Dach, von dem es heute keine Spuren mehr gibt.

Heute ist der St. Georgs-Turm ein Aussichtsturm und das zweite Stockwerk sowie das Dach öffentlich zugänglich.

In der Literatur, auf Karten, in Wanderbroschüren und auf zahlreichen Webseiten wird der St. Georgs-Turm häufig "Bastionsturm" genannt. Diese Bezeichnung ist jedoch falsch, denn eine Bastion, auch Bollwerk oder Bastei genannt, hat zwar die gleiche Funktion, beschreibt aber ein völlig anderes Bauwerk, das als vorspringende Anlage eines Festungswalls eine gänzlich andere Form aufweist. Obgleich Bastionen im Festungsbau des 15. Jahrhundert ebenfalls gebräuchlich waren, kam eine solche für Burg Blankenberg nicht in Frage, denn die Topografie machte hier einen hohen Turm weitaus sinnvoller.

Bastionsfläche, Garten

Die westliche Spitze der Burg wird von der sogenannten Bastionsfläche gebildet. Die Ringmauer umschließt hier den Felssporn. An der Südseite, neben dem St. Georgs-Turm, ist nur noch die bis zu 7,5 m hohe Futtermauer erhalten, die das aufgeschüttete Erdreich für die Bastionsfläche stützt. Die darüber hinausgehende Mauer wurde bis auf eine 80 cm hohe, größtenteils wiederaufgebaute Brüstungsmauer, abgetragen. Auffällig ist ein unterhalb am Hang liegendes, mehrere Kubikmeter großes Mauerstück sowie große Mengen loser Steine, die sicher einst zur Mauer gehörten. An der West- und Nordseite ist die untere Futtermauer zwar nur 2,5 m hoch, dafür sind hier teilweise noch höhere Mauerreste erhalten, die während der Sanierungsarbeiten zum Schutz gegen weiteren Zerfall mit neuem Mauerwerk aufgestockt wurden.

Zur einige Meter höher gelegenen Burg hin wird die Fläche durch eine weitere Mauer begrenzt. Unterhalb dieser steigt eine Böschung an, die am nördlichen Ende in die Ruinen weiterer Gemäuer übergeht. Hier befand sich der sogenannte Alte Turm, über den leider kaum etwas bekannt ist.

Mit der Ummauerung und Aufschüttung wurde aus dem steilen Felsgrat eine über 1000 m² große ebene Fläche. Welche Funktion diese ursprünglich hatte, lässt sich nicht mehr sicher sagen. Die Lage machte es zumindest möglich, ab dem 15. Jahrhundert einige Kanonen auf das Siegtal zu richten. In diesem Fall wäre die Bezeichnung als "Bastionsfläche" wohl gerechtfertigt. Denkbar ist aber auch die Nutzung als Garten oder ähnliches, der Name könnte sich dann in neuerer Zeit vom benachbarten Turm abgeleitet haben.

Falls es sich um einen Garten handelte, würde diese Tradition heute wieder fortgeführt, denn seit 2006 befindet sich auf der Bastionsfläche der Kräutergarten des Freundeskreis Burggarten Blankenberg, der hier eine prachtvolle Sammlung von alten Küchen-, Heil- und Hexenkräutern pflegt. Zudem hat man von hier einen tollen Ausblick auf das Siegtal mit der Eisenbahnbrücke und der Ortschaft Stein am Fuße des Berges.

Alter Turm

Ein rechteckiger Mauerrest ist alles, was von diesem Bauwerk noch zeugt. Er beinhaltet eine verwinkelte Treppe mit den Resten eines kleinen Gewölbes. Wie das Bauwerk einst aussah und welche Funktion es hatte, lässt sich heute leider nicht mehr bestimmen. Er befand sich im Nordwesten der Anlage und bot vermutlich einen Ausblick auf das Siegtal. Es wird spekuliert, dass er ein Relikt einer noch älteren Burg ist, wofür es aber keine Nachweise gibt.

Burgwärterhaus

Das heutige Burgwärterhaus steht dort, wo schon im Mittelalter vermutlich ein kleines Gebäude an die Schildmauer angebaut war. 1644 wird an dieser Stelle eine Kemenate beschrieben, also ein Wohnraum für die Burgdame, sowie eine Wächterstube. Im 19. und 20. Jahrhundert befand sich hier ebenfalls ein Fachwerkbau, zu dem eine Gastwirtschaft gehörte. Nachdem die Stadt Hennef die Hauptburg erwarb, wurde an dieser Stelle ein modernes Wohnhaus erbaut, dass sich mit der Holzfassade in die Umgebung einfügt und als Dienstwohnung für den Burgwärter dient. Der Burgwärter ist für die Pflege der Burganlage zuständig und für die Öffnung und Schließung des Tors.

Abb. 10: Bleistiftzeichnung nach einem Ölgemälde. Diese Darstellung der Hauptburg hat nur wenig mit der Wirklichkeit gemeinsam.
Abb. 10: Bleistiftzeichnung nach einem Ölgemälde. Diese Darstellung der Hauptburg hat nur wenig mit der Wirklichkeit gemeinsam.

Einzelnachweise

(1) Otto Piper: Burgendkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen. Würzburg 1912
(2) Da der Graben zugeschüttet wurde, weisen nur noch wenige Geländemerkmale auf die ursprüngliche Tiefe hin. Mit einer eigenen Vermessung kam ich auf einen ungefähren Wert von 8-10 m.
(3) stadt-blankenberg.de: Die Entstehung des Land Blankenberg
(4) Die Farbe und Körnung deuten auf Weiberner Tuff hin. Dieser wurde schon von den Römern sowie z.B. ab 1210 für den Bau der Godesburg genutzt.

Weiterführende Links